Saiten-Blüten International: Musikpremiere und Buchüberraschung im Illenau-Atelier
- 1 Apr 2026
- AutorenNetzwerk Ortenau-Elsass®
„ Schön, dass das Atelier wieder so voll ist, dass es uns das Herz wärmt", begrüßte Dr. Karin Jäckel, Leiterin des AutorenNetzwerks Ortenau-Elsass®, am Dienstagabend rund 60 Gäste im Atelier der Illenau-Werkstätten in Achern – nicht ohne augenzwinkernd an die geschlossenen Fenster zu erinnern: „Wir sind ja schon mal hier rausgeflogen, weil wir angeblich so laut waren."
Den Auftakt machte der elsässische Gitarrist und Liedermacher Richard Metz aus dem Straßburger Stadtteil Finkwiller. Der erfahrene Bühnenmann, seit über 50 Jahren aktiv und Mitglied der René-Schickele-Gesellschaft, nahm sein Publikum mit auf eine Reise von den Sümpfen Floridas über die Route 66 bis in die gedeckten Brücken seiner Straßburger Kindheit. Auf Englisch sang er Countryklassiker, auf Französisch Charles Aznavours sehnsuchtsvolles „Emmenez-moi" und Barbaras „Quand reviendras-tu", bevor er mit eigenen Liedern auf Elsässerditsch den Saal zum Mitwippen brachte – darunter sein Finalbeitrag für „La Voix d'Alsace 2024" und eine elsässische Version von „Die kleine Kneipe", die für breites Schmunzeln sorgte.
Zwischen den musikalischen Blöcken sorgte Dr. Karin Jäckel für den emotionalen Höhepunkt des Abends. Sie bat die Autorin Brigitte Gutmann nach vorne und überreichte ihr das druckfrische, allererste Exemplar ihres neuen Gedichtbandes „Unter Engelsschwingen" mit Collagen von Klaus-Jürgen Prohl, erschienen in der Edition Blaue Stunde. Gutmann, die von nichts gewusst hatte, war sichtlich bewegt. Passend zum musikalischen Abend las die Autorin selbst ein Engelsgedicht aus dem Band, in dem himmlische Heerscharen musizieren und „rosa pausbackige Putten kichern".
Nach der Pause übernahm das Ortenauer Duo Combo2Go mit Joe Winterhalter und Peter van Herwijnen. Winterhalter, der neben der Gitarre auch zum Saxophon griff, führte das Publikum mit Anekdoten und einem Text von Elke Heidenreich durch die Sechzigerjahre. Heidenreich beschreibt darin, wie ihre Mutter beim Bügeln noch Volkslieder sang und der Opa im Männergesangverein – „und dann passierte etwas: Es muss 1956 gewesen sein, da kam Bill Haley und aus unserem kleinen Löwe-Opta-Radio in der Küche schrie plötzlich Shake, Rattle and Roll. Plötzlich war Musik Leidenschaft, Geheimnis, Kraft, Aufruhr."
Von den Spotnicks über Simon & Garfunkels „Sound of Silence" und „Have You Ever Seen the Rain" bis zu den Rolling Stones spannte sich der musikalische Bogen. Van Herwijnen begleitete virtuos, zwischendurch auch auf der Sitar – als Hommage an George Harrisons „Norwegian Wood". Bei „Tequila" klatschte der Saal, bei Chuck Berrys „Johnny B. Goode" wippten die Füße, und Winterhalters freie Übersetzung von „Sitting on the Fence" – „Ich sitze lieber auf dem Zaun, du kannst nicht sagen, ich wär dumm" – sorgte für Lacher.
Ein spontanes „Happy Birthday" für eine Besucherin setzte den Schlusspunkt, bevor Jäckel den Strom kappen musste: „Ich bin den ganzen Abend am beten, dass wir ja nicht überziehen." Noch auf dem Parkplatz wurde weitergeplaudert.
Am 14. April um 19:30 Uhr ist das AutorenNetzwerk bereits wieder im Illenau-Atelier zu Gast – dann mit einem Abend, der unter die Haut geht: Sieben Mitglieder erinnern mit Lesungen und Liedern an verfemte Schriftstellerinnen und Schriftsteller, deren Werke am 10. Mai 1933 verbrannt wurden. Ein Abend für Meinungsfreiheit, Demokratie und die Kraft des geschriebenen Wortes.
Foto: Gute Stimmung im Illenau-Atelier – rund 60 Gäste erlebten den Musikabend „Saiten-Blüten International" des AutorenNetzwerks Ortenau-Elsass® mit Combo2Go und Richard Metz. ©Andreas Peter Geng
Informationen und Termine: www.autorennetzwerk-ortenau.de
Top Links