#RegioGespräch: 5+1 Fragen an Bruno Metz, Bürgermeister von Ettenheim
- 10 Feb 2026
- Regio Ortenau

„Jeder ist Teil der Lösung" – und warum der Bürgermeister am liebsten unter freiem Himmel schläft
Von Andreas Peter Geng [apg] im Februar 2026
| Einwohner | 13.694 (Stand Juni 2025) |
| PLZ | 77955 |
| Lage | Südlichste Stadt der Ortenau, zwischen Rhein und Schwarzwald |
| Bürgermeister | Bruno Metz (seit 1995) |
| Im Amt | 31 Jahre |
| Besonderheit | Trägt seit Oktober 2022 den Titel „Barockstadt“ |
| Stadtteile | Kernstadt Ettenheim (mit Ettenheimweiler), Altdorf, Ettenheimmünster, Münchweier, Wallburg |
| Slogan | Barockstadt Ettenheim leben. genießen. wohlfühlen. |
| Website | www.ettenheim.de |
31 Jahre im selben Amt – das muss man erst einmal schaffen. Bruno Metz, Jahrgang 1959, ist seit 1995 Bürgermeister der Barockstadt Ettenheim. Als er anfing, war Helmut Kohl noch Kanzler, das Internet steckte in den Kinderschuhen, und das „Smartphone“ hieß noch Telefon, hatte Tasten oder war von Siemens. Heute, drei Jahrzehnte später, sitzt er immer noch jeden Morgen um acht Uhr im Rathaus – und geht, wie er sagt, „jeden Tag gern" dorthin.
Was treibt einen Menschen an, so lange durchzuhalten? Und was macht er, wenn er mal nicht im Rathaus sitzt? Ein Gespräch über volle Terminkalender, leere Sternenhimmel und die Frage, warum wir alle ein wenig dankbarer sein sollten.
Bruno Metz lacht. „Das kann ich gerne beschreiben. Ich bin in der Regel um acht im Büro – plus minus, aber so acht Uhr ist die Zeit, die ich jetzt in 31 Jahren beibehalten habe."
Dann geht es Schlag auf Schlag: Mails, Post, interne Abstimmungen. Um neun der erste Termin. An diesem Morgen war es ein Schülergespräch im Gymnasium – 80 Schüler, die sich mit dem Thema Politik auseinandersetzen. „Ich rede zehn Minuten, dann diskutieren wir eine Dreiviertelstunde. Spannend, gut gemacht."
Es folgen: ein externer Termin in Sachen Schulen, eine Vorlage für den Gemeinderat, ein Gespräch mit einem Redakteur. Mittagspause von halb eins bis halb zwei – „die nehme ich mir" –, dann Unternehmertermine, Planungsgespräche, und um 18 Uhr Fraktionsvorstand der Kreistagsfraktion.
„An normalen Dienstagen habe ich abends Sitzungen – Bauausschuss, Verwaltungsausschuss oder Gemeinderat. Dienstags sind auch die Kreissitzungen, wo ich im Kreistag bin. Dazu Gesundheitsthemen: Gesundheitskonferenz, Verwaltungsrat Kliniken, Aufsichtsrat Medizinisches Versorgungszentrum."
Bruno Metz ist auch Mitglied im Städtetagsvorstand und Sprengelvorsitzender für die Bürgermeister seiner Größenordnung in beiden südlichen Regierungsbezirken. Also regionaler Sprecher der Bürgermeister mittlerer Städte in Südbaden.
- Langeweile? Fremdwort. „Ich wundere mich oft, wie schnell der Tag vorbei ist."
„Wollen Sie was Immaterielles hören oder Projekte?", fragt Metz zurück. Die Antwort: beides.
Erst die Zahlen: „Wir haben vor einer Woche den Haushalt verabschiedet. Insgesamt 82 Millionen Euro, die wir dieses Jahr bewegen wollen – für die Stadt und unsere Eigenbetriebe." Seine Aufgabe sei es nun, das „bestmöglich zu finanzieren". Das bedeutet: Projekte eng begleiten, um Fördermittel kämpfen. „Gestern haben wir gerade wieder eine Zusage bekommen – für den Umbau unseres Palais Rohan. Das sind dann schöne Nachrichten."
Besonders freut ihn, was am ehemaligen Krankenhausstandort entsteht. Das Krankenhaus wurde Ende 2022 geschlossen – ein Einschnitt für die Region. Doch jetzt kommt Leben zurück: Eine geriatrische Reha (18-Millionen-Projekt, Ende Februar Schlüsselübergabe), ein Zentrum für Gesundheit mit mehreren Arztpraxen und ambulantem OP-Zentrum (10 Millionen, geht im zweiten Quartal in Betrieb), dazu eine neue Rettungswache des Deutschen Roten Kreuzes (4,5 Millionen).
„Das ist wirklich wichtig – nicht nur für uns, sondern für die ganze südliche Ortenau. Dass wir Gesundheitsdienstleistungen vor Ort haben."
Dazu kommen: die neue Mediathek, Ganztagsschule, Sportanlage am Mühlenweg, eine neue Fernwärme-Partnerschaft mit dem E-Werk Mittelbaden, die Sportinfrastrukturmilliarde für eine dringend benötigte Sporthalle, Gewerbegebietsentwicklung in den „Wolfsmatten".
„Ich habe Dinge, die ich abschließen kann – und noch mehr Dinge, die ich auf den Weg bringe."
Und das Immaterielle? Metz wird nachdenklich. „Wir haben 2024 50 Jahre Gesamtstadt gefeiert. Sehr schöne Veranstaltungen, ein gelungenes Magazin. Und da ist wieder dieser Geist der Zusammenarbeit gestärkt worden. Das Miteinander zwischen Ortschaften und Kernstadt – das war schon da, ist über 50 Jahre gewachsen, und jetzt nochmal verstärkt worden. Diesen Schwung will ich mitnehmen."

„Meine größte Entspannung bekomme ich, wenn ich in der freien Natur unterwegs bin", sagt Metz. „Einmal eine halbe Stunde, ein paar Stunden, am liebsten mal ein paar Tage am Stück. Da blühe ich auf."
Dann kommt die Überraschung: „Ich mache solche Touren oft, indem ich zwei, drei Nächte draußen schlafe. Im Freien, im Schlafsack."
Unter dem Sternenhimmel?
„Genau. Das hat eine ganz eigene Energie. Am liebsten weit weg – nicht da, wo Infrastruktur ist. Im Wald, irgendwo weit weg von allem. Da fühle ich mich viel wohler als in der Nähe von einem Parkplatz."
Als er mit seiner Frau die Südhälfte des Westwegs im Schwarzwald durchwanderte, schliefen sie etwa die Hälfte der Nächte unter freiem Himmel – „wo es gerade passte und das Wetter in Ordnung war".
Metz hat sich früher vorgenommen, jedes Jahr einen neuen Platz zu erkunden – je einen im Schwarzwald und einen in den Vogesen. „Das habe ich lange durchgehalten, auch mit der Familie. Wenn man das über Jahrzehnte macht, kommt ganz schön was zusammen."
Er ist Rotarier mit fester Wandergruppe, hat eine Männerrunde von 15 bis 20 Leuten, mit denen er jährlich mehrtägige Touren macht. Und dann ist da noch der „Bärenspleen“: „Ich war schon verschiedentlich in Gegenden, wo es Bären gibt. Rumänische Karpaten, Slowenien, Kanada, USA. Ich habe schon viele Bären gesehen in freier Wildbahn – und ich habe die größte Freude daran."
Wenn der Bär im Schwarzwald wieder heimisch wird – wären Sie Befürworter?
„Ich freue mich über jedes Wildtier."
„Das sind bei mir auch Orte draußen", sagt Metz. Sein Favorit: der Speckacker oberhalb von Münchweier.
„Wenn ich aus dem Wald auf die Wiese komme und nach Westen schaue – das ist für mich eine völlige Offenbarung. Ich sehe die Stadt vor mir, die Rheinebene, die Vogesen. Am besten, wenn die Sonne schon ein bisschen tief steht und das Farbenspiel dazukommt."
Er gerät ins Schwärmen: „Man sieht vor allem die Wiese, über die Reben weitgehend hinweg, dann die Kirchtürme von Ettenheim, Teil der Altstadt, die Orte werden mit der Entfernung immer kleiner, viel Grün in der Rheinebene bis zu den Vogesen. Das ist für mich nach wie vor wirklich erhebend."
Weitere Lieblingsplätze: der Heuberg – „inzwischen ein Hotspot, aber für mich trotzdem völlig fantastisch" – und der Aussichtspunkt am Duc-d'Enghien-Denkmal. Am Heuberg hat er 1999 die totale Sonnenfinsternis erlebt, als die Sonne von Straßburg her verdunkelte. „Ich kriege heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke."
Und dann gibt es noch die Münchweirer Sandsteinpyramide im Wald – „die kennen nur wenige Ettenheimer" –, eine auf keltische Anlagen zurückgehende Stätte, die er immer mal wieder besucht.
Also: Wer nach Ettenheim kommt, sollte unbedingt eine Wanderung in die Höhe machen?
„Genau. Am besten zum Sonnenuntergang."
„Die profane Antwort wäre: 100 Millionen Euro", sagt Metz und lacht. „Damit könnte ich einiges bewegen."
Dann wird er ernst. „Aber wenn ich es anders machen wollte: Was mich wirklich berührt – wir sollten viel mehr lernen zu schätzen, was wir haben. Die Schimpferei ist mir mittlerweile zu massiv."
Er erzählt von Kreisen, in denen seit 30 Jahren über die Politik geschimpft wird – „völlig wurscht, welcher Farbe die gerade angehören". Er habe Menschen schon gefragt: „Gibt es denn überhaupt jemanden, den ihr befähigt findet, Bundeskanzler oder Ministerpräsident zu sein?"
Sein Wunsch: „Dass Menschen mehr schätzen, was wir haben. Dass jeder erkennt: Er ist Teil der Lösung. Nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern anpacken."
Und drittens: „Bereitschaft zur Veränderung. Wir hocken auf unseren Besitzständen, und jeder, der eine Idee äußert, wird fast niedergeschrien. Aber wir müssen uns ändern – das ist doch gar keine Frage. Wir sind viel zu satt in unseren Sesseln."
Ein Satz, der sitzt: „Ich glaube, wir haben alle – und ich sage bewusst: alle – mehr Besitzstände als 85 bis 90 Prozent der Weltbevölkerung."
„Wenn ich sehe, dass ich irgendwas tun kann, was die Stadt nach vorne bringt, dann ergreife ich diese Möglichkeit", sagt Metz. „Das gelingt nicht immer, aber doch häufig. Ich habe Spaß am Entwickeln, Spaß an Veränderung. Spaß, wenn ich merke: Jetzt kannst du wieder was tun, was den Menschen hilft."
Er geht jeden Tag gern ins Rathaus. 95 Prozent seiner Termine macht er „wirklich gern". In 31 Jahren sei er keine zehn Mal von einem Abendtermin heimgekommen und habe gedacht: Das war ein verlorener Abend.
„Du kommst irgendwo hin, da sind wieder neue Leute, neue Themen. Es gibt so viele interessante Menschen, denen man in diesem Beruf begegnen kann. Von den Eltern von Kleinkindern bis zu Leuten, die über das Friedhofswesen reden, weil sie demnächst davon betroffen sein werden – und die ganze Bandbreite dazwischen."
Dann spricht er von seiner Generation – den 1959 Geborenen: „Uns wurde wahnsinnig viel geschenkt von denen, die vor uns da waren. Wir haben nie einen Krieg auf unserem Boden erleben müssen. Es ist vom Wohlstand her immer nach vorne gegangen. Wir haben eine Verpflichtung, dafür zu arbeiten – nicht indem wir drauf sitzen und festhalten, sondern indem wir aus dem, was die Zeit erfordert, die richtigen Schlüsse ziehen. Damit auch unsere Kinder und Enkel – ich habe drei Enkelkinder – lebenswert vorfinden, was wir vorgefunden haben."
“Klingt vielleicht pathetisch“, sagt er selbst. Wir aber merken, es ist nicht pathetisch, man spürt: „Ich habe einfach Spaß dran." Das glauben wir ihm aufs Wort.
Bevor Bruno Metz Bürgermeister wurde, hatte er auch die Möglichkeit, in die freie Wirtschaft zu gehen. Es war seine Frau, die ihm den entscheidenden Rat gab: „Ich kenne dich. Ich weiß, egal was du machst, du wirst viel unterwegs sein, du wirst dich nie hängen lassen. Und wenn du das schon machst – dann mach wenigstens etwas, was sinnvoll ist. Was gemeinwohlorientiert ist."
Eine kluge Frau. Und ein Rat, der seit 31 Jahren trägt und unsere schöne Ortenau bereichert.
Fazit
Bruno Metz ist kein Bürgermeister, der sich ausruht. Er ist einer, der anschieben will – Projekte, Menschen, seine Stadt. Einer, der morgens um acht im Rathaus sitzt und abends bei Vereinsfesten noch neue Gesichter kennenlernt. Der am liebsten unter freiem Himmel schläft und sich über jeden Bären freut.
Nach 31 Jahren im Amt könnte man meinen, die Luft sei raus. Das Gegenteil ist der Fall. Bruno Metz hat noch Pläne, noch Energie, noch Freude an dem, was er tut.
Und einen Wunsch, der nichts kostet: „Dass wir alle etwas mehr schätzen, was wir haben."
Bleiben Sie gerne am Ball – weitere Gespräche mit Bürgermeistern der Ortenau und aktuelle Neuigkeiten finden Sie regelmäßig auf www.regio-ortenau.de und in allen sozialen Medien.
Interessieren Sie sich für Ohlsbach? Hier das Interview mit Bürgermeister Bernd Bruder
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