Sebastian Bayer: Der Mann, der Oberkirch wieder zum Spielen bringt
- 8 Apr 2026
Wie ein Erlebnisarchitekt aus dem Renchtal mit der Mach!BAR am Kirchplatz einen Ort geschaffen hat, an dem Erwachsene ihr Handy vergessen - und Kinder die Welt entdecken.
Es obliegt uns die Freude, einen jener Menschen vorzustellen, die mit ihrer Energie, ihrer Kreativität und einem gehörigen Schuss Mut das Gesicht unserer Region verändern. Sebastian Bayer ist Erlebnisarchitekt, Gründer, Familienvater - und gemeinsam mit seiner Frau Kerstin der Kopf hinter der Mach!BAR am Kirchplatz in Oberkirch. Was die beiden dort aufgebaut haben, ist mehr als eine Bar, mehr als ein Veranstaltungsort, mehr als ein Spielzimmer. Es ist ein Ort, an dem Menschen einander wieder begegnen. Wirklich begegnen. Wir haben mit Sebastian Bayer gesprochen - über Heimat und Aufbruch, über Spieltrieb und Unternehmermut, über verborgene Schätze und die Kraft der Kursänderung. Aber lesen Sie selbst.
Man merkt es sofort: Da ist einer, der brennt. Pünktlich um neun Uhr morgens ist Sebastian Bayer am Telefon und schon nach den ersten Sätzen wird klar, dass hier kein Geschäftsmann seine Marketingfloskeln abspult. Hier spricht ein Mensch, der etwas erlebt hat, der mitten in einer spannenden Lebensphase steckt und der genau weiss, warum er tut, was er tut. Auch wenn der Weg dahin nicht immer geradeaus verlief.
Von Mannheim über den Schwarzwald in die Welt - und zurück
Geboren wurde Sebastian Bayer 1981 in Mannheim. Doch mit vier Jahren zog seine Familie ins Renchtal. Sein Vater ist Arzt, seine Mutter Physiotherapeutin - beide wollten raus aufs Land, rein in die Natur, rein in den Schwarzwald, und eröffneten ihre Praxen in Bad Peterstal. Dort wuchs Sebastian auf, ging in Oberkirch zur Schule und lernte eine Kindheit kennen, die vom Wald geprägt war, von kühlen Ecken im Hintertal und von einer Gemeinschaft, die einen trägt.
Nach der Schule und dem Zivildienst wusste der junge Bayer erst einmal nicht so recht, wohin die Reise gehen sollte. „Ich wusste nicht, was ich machen soll, lass mal das probieren", erzählt er mit entwaffnender Offenheit. Er landete in einer Werbeagentur, machte eine Ausbildung im Mediendesign und profitiert bis heute davon. Die gesamte Werbung für seine verschiedenen Firmen gestaltet er selbst. Doch die eigentliche Erkenntnis kam anderswo: in Klettergärten und Hochseilparks. „Draussen, Action, mit Menschen und Natur - das war so eher das, was ich dann gemerkt habe, was richtig Spass macht." Was folgte, waren rund 25 Jahre abseits der Heimat, in denen er und seine Frau Kerstin an verschiedenen Orten lebten und arbeiteten - bis die Kinder kamen und das Renchtal rief.
Heimat - ein Wort mit zwei Bedeutungen
Rund ein Vierteljahrhundert waren Sebastian und Kerstin Bayer unterwegs. Sie lernten andere Gegenden kennen, manche davon wunderschön. Doch als die Kinder kamen - heute vier und acht Jahre alt - zog es die junge Familie zurück ins Renchtal. „Wahnsinn, wie toll unsere Heimat ist", sagt Bayer, und man hört ihm an, dass da echte Begeisterung mitschwingt. Der Wald in jeder Jahreszeit, die kühlen Ecken im Sommer, die bekannten Gesichter aus Schulzeiten - all das macht für ihn das Heimatgefühl aus.
Und doch gibt es für ihn zwei Heimatbegriffe. Einen geografischen, verwurzelt im Schwarzwald. Und einen, der tiefer sitzt. „Home is where your heart is", sagt er schlicht. „Immer dort, wo wir wohnten, waren wir zu Hause. Deswegen war immer die Heimat eigentlich da, wo ich mit meiner Frau war oder mit unseren Kindern bin." Ein Satz, der sitzt. Und der erklärt, warum dieser Mann bei allem unternehmerischen Ehrgeiz so geerdet wirkt.

Die Mach!BAR: Wo Erwachsene ihr Handy vergessen
Was Sebastian und Kerstin Bayer am Kirchplatz 1 in Oberkirch geschaffen haben, lässt sich nicht in eine Schublade stecken - und genau das ist gewollt. Die Mach!BAR, am 1. Dezember 2024 feierlich eröffnet, ist Bar, Café, Eventlocation, Escape-Room-Anbieter, Konzertsaal und Spielwiese für Grosse und Kleine in einem. Im oberen Bereich finden 40 Gäste Platz, draussen kommen 20 Sitzplätze dazu, und im Eventbereich im Untergeschoss können bis zu 50 Personen gemeinsam spielen, rätseln, feiern und staunen.
Auf jedem Tisch liegt ein Spiel. Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist aber vielleicht das Herzstück der ganzen Idee. „Die Leute setzen sich hin und spielen los", berichtet Bayer. „Ob es jetzt Tic Tac Toe ist oder Zahlenspiele - sie vergessen, dass sie ihr Handy in der Tasche haben. In anderen Bars legen sie erst mal das Handy neben sich. Aber hier geht es weg, los ins Spiel." Man möchte hinzufügen: Das allein ist in unserer durchdigitalisierten Welt schon eine kleine Sensation.
Denn genau darum geht es Sebastian Bayer. Um Echtheit. Um echte Begegnungen, echtes Lachen, echtes Miteinander. „Nichts ist mehr echt", sagt er nachdenklich. „Man weiss nicht mehr, welches Bild KI-generiert ist. Man weiss nicht mehr, ob am Telefon ein Mensch dran ist oder eine Maschine. Die Menschen benötigen wirklich Echtheit und echte Menschen im richtigen Kontakt." Gerade Erwachsene, so seine Beobachtung, hätten es „komplett verlernt zu spielen". In der Mach!BAR lernen sie es wieder.
Escape Room mit Oberkircher Seele
Erst vor wenigen Wochen hat die Mach!BAR einen eigenen Escape Room eröffnet - und der ist alles andere als von der Stange. Im Jahr der Heimattage Baden-Württemberg in Oberkirch thematisiert er gekonnt die Geschichte der Stadt: Grimmelshausen und die historischen Brennrechte sind in die Handlung eingewoben. Wer schon einmal für einen guten Escape Room drei, vier Stunden Anfahrt in Kauf genommen hat - und davon gibt es eine ganze Gemeinde -, der dürfte hier auf seine Kosten kommen.
Daneben bietet die Mach!BAR iPad-gestützte Rätseltouren durch die Stadt, bei denen Teilnehmer mit Ausrüstungstaschen losziehen und sich durch ganz Oberkirch spielen können. Verschiedene Missionen für Kinder, Erwachsene und Schulklassen machen das Angebot so breit, dass Sebastian Bayer selbst augenzwinkernd zugibt: „Es ist sehr schwer, das alles greifbar zu machen." Oder, wie man bei ihm sagen würde: einfach machbar machen.
Zwei Standbeine, eine Mission
Wer die Mach!BAR verstehen will, muss wissen, dass hinter der Bar eine grössere Vision steckt. Die Mission Black Forest GmbH ist die Eventagentur, die Sebastian Bayer betreibt - und die weit über Oberkirch hinaus agiert. „Wir machen die Programme auch in den Firmen oder im Seminarhotel oder wo auch immer", erklärt er. Von Bühl bis Freudenstadt, im ganzen Renchtal und darüber hinaus: Teambuilding, Firmenevents, Schulklassen-Programme - die Agentur kommt auch zum Kunden. Die Mach!BAR am Kirchplatz ist dabei Homebase und Aushängeschild zugleich.
Ein Blick in das Aprilprogramm zeigt, wie bunt die Palette mittlerweile ist: Live-Konzerte mit NYU Funk und dem Buddy & Doc Trio, der beliebte Quiz-Abend, ein Kräuterkurs, der Mach!BAR Brunch, „Matte & Müsli" - eine Kombination aus Yoga und Frühstück -, und Ende April kommt mit Cris Cosmo ein über die Region hinaus bekannter Singer-Songwriter auf die Bühne am Kirchplatz. Dazwischen bleibt Platz für den Babystammtisch und für Firmen, die ihren Teams etwas Besonderes bieten wollen.
„Vielen ist gar nicht bewusst, dass sie überhaupt Teambuilding kaufen können oder dass es auch förderlich ist für die Unternehmen", sagt Bayer. Gerade in unsicheren Zeiten, so sein Argument, sollten Firmen ihre Teams positiv gestimmt halten. Da führe eigentlich kein Weg an guten Teamevents vorbei.
Ein Schatz, der noch gehoben werden will
Im Gespräch wird schnell deutlich: Das Potenzial der Mach!BAR ist enorm - aber sie steht noch am Anfang. Wie ein Rätsel im Escape Room, bei dem die entscheidenden Hinweise gefunden sind, aber noch nicht zusammengesetzt. Sebastian Bayer spürt das selbst. „Unsere Programme sind so gut. Es muss einfach anlaufen", sagt er.
Denn Sebastian Bayer ist ehrlich. Erfrischend ehrlich sogar. Er verschweigt nicht, dass das Tagesgeschäft - Frühstück, der tägliche Barbetrieb - nicht so lief wie erhofft. Dass er zu viel allein stemmen wollte, zu wenig delegiert hat. Dass er als Gründer den Fehler gemacht hat, den so viele leidenschaftliche Unternehmer machen: alles selbst, alles sofort, alles perfekt. „Viele Fehler. Jetzt darf ich draus lernen", sagt er - und in diesem „darf" steckt eine bemerkenswerte Haltung. Keine Bitterkeit. Kein Jammern. Stattdessen: Kursänderung.
Die Öffnungszeiten wurden auf drei Tage die Woche für den regulären Betrieb reduziert. Der Fokus verschiebt sich konsequent auf das, was funktioniert: Gruppenevents, Firmenveranstaltungen, gebuchte Erlebnisse. Gleichzeitig sucht Bayer aktiv nach Partnern, nach Menschen, die einsteigen und mitgestalten wollen. „Ich suche nach Leuten, die das Potenzial sehen und vielleicht mit einsteigen, damit nicht mehr so viel auf meinen Schultern lastet", sagt er offen. Wer aus der Eventbranche kommt, wer Lust hat, im Renchtal oder im Ortenaukreis etwas aufzubauen - hier könnte eine aussergewöhnliche Gelegenheit warten.
Die Tagesschau-App ist deinstalliert
Es gibt einen Moment im Gespräch, der besonders in Erinnerung bleibt. Auf die Frage, wie er mit den schwierigen äusseren Umständen umgeht - steigende Preise, unsichere Zeiten, politische Verwerfungen - antwortet Sebastian Bayer mit entwaffnender Klarheit: „Was mich befreit hat, ist, dass ich vor ungefähr einem Jahr die Tagesschau-App deinstalliert habe und die ZDF-App. Ich kann eh nichts ändern."
Das klingt auf den ersten Blick nach Weltflucht. Ist es aber nicht. „Es gibt sehr schlimme Sachen auf unserer Welt", sagt er, „aber es gibt auch sehr viele schöne Sachen, über die kaum berichtet wird." Er wolle sich nicht von Nachrichten abhängig machen lassen, nicht seine Entscheidungen danach ausrichten, ob irgendwo ein Krieg ausbricht oder die Spritpreise steigen. „Nur fokussiert weitermachen stiftet für mich Sinn."
Und dieses Weitermachen - das spürt man in der Mach!BAR. Alle, die hereinkommen, spürten die Energie, sagt Bayer. Und gäben sie zurück. „Das ist einfach in diesen Zeiten, in denen viele sich von Nachrichten Angst machen lassen, glaube ich schön, so Orte zu haben, wo man mal kurz hereinkommt und sagt: Hier kann ich mal kurz entspannen." Ein Refugium also. Mitten in Oberkirch. Am Kirchplatz.
Drei Wünsche für die gute Fee
Am Ende des Gesprächs die klassische Frage: Wenn die gute Fee vorbeikommt - was wünscht sich Sebastian Bayer? Er muss nicht lange überlegen. „Familienzeit", sagt er sofort. „Maximum Familienzeit." Dann: „Menschen glücklich machen. Zusammenbringen. Das fühlt sich einfach schön an, wenn Menschen zusammen lachen und zusammen spielen." Und der dritte Wunsch? „Dass alle Menschen auch ein solch schönes Leben haben dürfen wie ich."
Wer nach diesem Satz noch glaubt, Sebastian Bayer sei einfach nur ein Gastronom, der hat nicht richtig zugehört. Hier steht ein Mann, der trotz aller Herausforderungen das Grosse sieht. Der Frieden meint, wenn er von einem schönen Leben spricht. Und der genau weiss, dass der Weg dahin über die kleinen Momente führt - über ein Spiel auf dem Tisch, über ein Lachen in der Bar, über ein Team, das zusammen eine Aufgabe löst.
| Adresse | Kirchplatz 1, Oberkirch |
| Öffnungszeiten | Freitags bis sonntags ab 14 Uhr. Montags: Yoga-Kurse im Eventraum. |
| Gruppen & Events | Auch ausserhalb der regulären Zeiten buchbar. |
| Mach!BAR | machbar-oberkirch.de |
| Firmenevents | mission-black-forest.de |
Sebastian Bayer sucht übrigens nicht nur Gäste, sondern auch Partner und Mitstreiter, die Lust haben, das Potenzial dieser einzigartigen Location mitzugestalten. Wer aus der Eventbranche kommt oder einfach findet, dass ein solcher Ort genau das ist, was die Region braucht - melden Sie sich. Der Schatz liegt bereit. Er will nur noch gehoben werden.
Und jetzt sind Sie dran, liebe Leserinnen und Leser: Wann haben Sie das letzte Mal so richtig gespielt? Nicht am Handy, nicht am Computer - sondern mit echten Menschen, an einem echten Tisch, mit echtem Lachen? Erzählen Sie uns davon - oder kommen Sie einfach vorbei und fangen Sie neu an. Alles ist Mach!BAR.



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