#RegioFokus: Telefonanlage 2026 – Was im Haus, im Büro und in der Firma wirklich zählt
- 26 Mai 2026
- Regio Ortenau

Vom Gigaset-Schnurlostelefon bis zur Cloud-Telefonanlage: So telefoniert die Ortenau heute - und worauf Sie bei der Auswahl achten sollten.
Lesezeit: ca. 6 Minuten
Die gute alte Telefonanlage - gibt es die überhaupt noch? Zwischen Fritz!Box, Cloud-Telefonie und dem guten alten DECT-Schnurlostelefon ist die Auswahl grösser als je zuvor. Aber auch verwirrender. Wir sortieren für Sie, was Privathaushalt, kleines Büro und mittelständische Firma 2026 wirklich benötigen.
17.05.2026, Ortenaukreis, apg. Es gibt Geschichten, die schreibt das Leben. Kürzlich bat eine Bekannte aus dem Achertäler Umland um Hilfe: Zwei Telefone ihrer Gigaset-Anlage klingelten nicht mehr. Ein schneller Blick, ein kurzes Stirnrunzeln - und dann die Erkenntnis: Was man vor zehn Jahren noch aus dem Effeff beherrschte, ist heute eine kleine Wissenschaft für sich. Oder eben doch nicht, wenn man weiss, worauf es ankommt. Grund genug, das Thema Telefonanlagen einmal gründlich aufzurollen - für alle, die zu Hause, im Büro oder in der Firma telefonieren. Also eigentlich für alle.
Wer über Telefonanlagen im Privatbereich spricht, kommt an einem Namen nicht vorbei: Gigaset. Die Geschichte beginnt bei Siemens, dem Münchner Technologiekonzern, der über Jahrzehnte den deutschen Telefonmarkt dominierte. In Bocholt, im westlichen Münsterland, betrieb Siemens eine hochmoderne, vollautomatische Fertigungsanlage für Schnurlostelefone - die Consumer-Sparte trug den Namen „Siemens Home and Office Communication Devices". Diese Geräte waren regelmässig preisgekrönt, galten als Inbegriff deutscher Ingenieurskunst und waren in Millionen Haushalten der Standard. Wer sich an sein erstes Schnurlostelefon erinnert - die Freiheit, im Garten zu telefonieren, während das Festnetztelefon im Flur an der Wand hing -, der erinnert sich wahrscheinlich an ein Siemens-Gerät.
2008 wurde die Sparte als Gigaset AG ausgegliedert. Was folgte, war eine bewegte Unternehmensgeschichte mit Höhen und Tiefen. Zwischenzeitlich stieg Gigaset ins Smartphone-Geschäft ein - mit dem Versprechen „Made in Germany", gefertigt in Bocholt. Doch der Markt war gnadenlos. Gegen Samsung, Apple und die chinesischen Hersteller konnte sich Gigaset nicht behaupten. Im September 2023 stellte Gigaset einen Insolvenzantrag. Im April 2024 übernahm der Hongkonger Konzern VTech Holdings über seine Tochtergesellschaft Snom den operativen Geschäftsbetrieb - inklusive der Produktionsstätte in Bocholt. Die Marke Gigaset lebt weiter, neue DECT-Telefone und Smartphones erscheinen auch 2025 und 2026 unter dem bekannten Namen. Ob die Smartphones ein Renner werden, darf man allerdings bezweifeln. Die Stärke lag und liegt bei den Schnurlostelefonen.
DECT - Digital Enhanced Cordless Telecommunications - ist der Funkstandard, der Schnurlostelefone seit den 1990er Jahren möglich macht. Und er ist erstaunlich robust. Während ISDN längst Geschichte ist und die analoge Telefonie dem IP-Anschluss gewichen ist, funkt DECT munter weiter. Der Grund ist einfach: DECT wurde speziell für Sprachübertragung entwickelt und liefert auch heute noch eine Reichweite von 50 Metern im Gebäude und bis zu 300 Metern im Freien - deutlich mehr als Bluetooth oder WLAN-Telefonie. Wer ein grosses Haus oder einen Betrieb mit Halle und Büro hat, kann die Reichweite mit DECT-Repeatern noch erweitern. Neuere Gigaset-Modelle kombinieren DECT zusätzlich mit WLAN und Bluetooth - je nach Modell und Einsatzzweck.
Im aktuellen Test der F.A.Z. (Mai 2026) wurde das AVM Fritz!Fon X6 zum Testsieger gekürt - ein DECT-Telefon, das speziell für die weit verbreitete Fritz!Box konzipiert ist und Smart-Home-Funktionen, E-Mail-Empfang und Podcast-Wiedergabe direkt am Mobilteil ermöglicht. Auf Platz zwei folgt das Gigaset Comfort 520A mit ausgezeichneter Sprachqualität und bis zu 320 Stunden Standby-Zeit. DECT lebt also - und das nicht schlecht.
Für die meisten Privathaushalte in der Ortenau ist die Telefonanlage heute kein separates Gerät mehr, sondern steckt im Internet-Router. Die Fritz!Box von AVM, in Deutschland mit grossem Abstand der beliebteste Router, ist gleichzeitig eine vollwertige DECT-Basisstation und Telefonanlage. Bis zu sechs Schnurlostelefone lassen sich anmelden, Rufverteilung einrichten, Anrufbeantworter konfigurieren, Telefonbücher verwalten - alles über die übersichtliche Weboberfläche unter fritz.box im Browser.
Wer früher ein Gigaset-System mit eigener Basisstation betrieb, kann die Mobilteile häufig auch an der Fritz!Box anmelden. Und wer noch eine ältere Gigaset-Basisstation im Einsatz hat - etwa ein Go-Box-System oder eine ältere DECT-Basis - bei dem können Probleme wie „zwei Telefone klingeln nicht mehr" oft durch ein simples Abmelden und Neu-Anmelden der Mobilteile gelöst werden. Die Bedienungsanleitungen sind online verfügbar, und die Einrichtung ist mit etwas Geduld auch für Nicht-Techniker machbar.
Wer ein kleines Büro betreibt, eine Praxis führt oder als Handwerker mit zwei, drei Mitarbeitern unterwegs ist, braucht mehr als nur ein Schnurlostelefon. Hier kommt die IP-Telefonie ins Spiel - VoIP, Voice over Internet Protocol. Die klassische ISDN-Technik wurde in Deutschland bis 2022 vollständig abgeschaltet. Alle Telefonate laufen heute über das Internet, auch wenn das am Hörer nicht zu hören ist.
Für kleine Unternehmen gibt es zwei Wege. Der erste: Eine Fritz!Box oder ein ähnlicher Router als Telefonanlage, ergänzt um IP-fähige Tischtelefone von Herstellern wie Yealink, Snom oder Grandstream. Das reicht für zwei bis fünf Nebenstellen völlig aus und kostet wenig. Der zweite Weg: Eine Cloud-Telefonanlage. Anbieter wie Placetel (heute Cisco), sipgate, fonial, easybell oder 3CX stellen die komplette Telefonanlage im Rechenzentrum bereit. Man zahlt monatlich pro Nutzer - oft zwischen 5 und 15 Euro - und benötigt vor Ort nur noch Telefone und einen Internetanschluss. Die Einrichtung erfolgt über ein Webportal: Rufnummern zuweisen, Warteschleifen einrichten, Anrufweiterleitungen programmieren, Sprachmenüs konfigurieren.
Der grosse Vorteil: Keine Wartung vor Ort, automatische Updates, Skalierbarkeit. Wer einen neuen Mitarbeiter einstellt, bucht einfach eine weitere Nebenstelle dazu. Und wer im Homeoffice arbeitet, telefoniert über die Büronummer - vom Laptop, vom Smartphone oder vom IP-Telefon zu Hause.
Für grössere Betriebe mit zehn, zwanzig oder hundert Mitarbeitern reicht eine einfache Cloud-Lösung oft nicht mehr aus. Hier spricht man von „Unified Communications" - der Zusammenführung von Telefonie, Videokonferenz, Chat, Bildschirmfreigabe und Präsenzanzeige in einer einzigen Plattform. Microsoft Teams, das in vielen Unternehmen ohnehin als Kollaborationswerkzeug im Einsatz ist, bietet mit „Teams Phone" eine vollwertige Telefonanlage. Auch Cisco Webex, Zoom Phone oder die deutsche Lösung STARFACE sind in diesem Segment unterwegs.
Der Trend geht eindeutig in Richtung „Mobile First". Siemens selbst - der einstige Telefonanlagen-Riese - hat bereits 2016 intern das Projekt „One Phone" gestartet und Mitarbeitern vorgeschlagen, auf das Festnetztelefon am Schreibtisch zu verzichten, wenn sie ein Firmen-Smartphone besitzen. Was damals noch gewagt klang, ist heute für viele Unternehmen Realität. Die Firma UNICOPE etwa hat über 300 Unternehmen in Deutschland und der Schweiz auf IP-basierte Festnetztelefonie umgestellt - mit dem Slogan „Mobiles Festnetz löst Telefonanlagen ab".
Abseits der grossen Anbieter gibt es nach wie vor spannende Nischen. Outdoor-Smartphones mit Wärmebildkamera - etwa von CAT oder Ulefone - sind auf Baustellen gefragt. Das Fairphone aus den Niederlanden setzt auf ein modulares Design und ein freies Betriebssystem, bei dem der Nutzer einzelne Komponenten selbst tauschen kann - Akku, Kamera, Bildschirm. Und Gigaset? Hat tatsächlich wieder GSM-Mobiltelefone und Smartphones im Programm. Das GS5, gefertigt in Bocholt, setzt auf das Versprechen europäischer Produktion. Ob das reicht, um gegen die Übermacht aus Fernost zu bestehen, wird sich zeigen.
Die Vielfalt der Möglichkeiten kann überfordern. Deshalb zum Schluss ein paar einfache Leitfragen, die bei der Entscheidung helfen.
Für den Privathaushalt: Haben Sie eine Fritz!Box? Dann haben Sie bereits eine Telefonanlage. Kaufen Sie ein oder zwei gute DECT-Telefone - das Fritz!Fon X6 oder ein Gigaset Comfort 520 - und richten Sie alles über die Fritz!Box-Oberfläche ein. Fertig.
Für das kleine Büro: Prüfen Sie, ob Ihr Internet-Router als Telefonanlage ausreicht. Wenn nicht, schauen Sie sich Cloud-Telefonanlagen wie fonial, sipgate oder easybell an. Die Einrichtung ist in wenigen Stunden erledigt, und Sie telefonieren ab dem ersten Tag professionell.
Für den Betrieb: Lassen Sie sich von einem Fachbetrieb beraten. Die Anforderungen sind individuell, und eine falsch dimensionierte Lösung kostet auf Dauer mehr als eine professionelle Planung. Achten Sie darauf, dass Ihr Dienstleister auch den Übergang von der alten Anlage begleitet.
Haben Sie Fragen rund um Ihre Telefonanlage? Kennen Sie einen Fachbetrieb in der Ortenau, der Sie kompetent beraten hat? Schreiben Sie uns - wir freuen uns auf Ihre Erfahrungen und Tipps!
Autor: Andreas Peter Geng [apg] | Quellen: Peter Bergmann, Renchen-Ulm, F.A.Z. Kaufkompass (Mai 2026), connect-professional.de, Gigaset.com, Placetel.de, fonial.de, channelpartner.de, Destatis
Brauche ich 2026 noch eine eigene Telefonanlage?
Für Privathaushalte meist nicht. Die Fritz!Box übernimmt als DECT-Basisstation die Rolle der Telefonanlage. Für kleine Büros reicht oft ebenfalls der Router, ergänzt um IP-Tischtelefone - oder eine günstige Cloud-Lösung ab 5 Euro pro Nutzer im Monat.
Was ist das beste Schnurlostelefon 2026?
Laut F.A.Z.-Test (Mai 2026) ist das AVM Fritz!Fon X6 Testsieger, gefolgt vom Gigaset Comfort 520A. Beide sind DECT-Telefone und bieten ausgezeichnete Sprachqualität.
Gibt es Gigaset noch?
Ja. Nach der Insolvenz im September 2023 übernahm VTech Holdings über Snom den Betrieb im April 2024. Neue DECT-Telefone und Smartphones erscheinen weiterhin unter der Marke Gigaset, die Produktion in Bocholt läuft fort.
Was tun, wenn Gigaset-Telefone nicht mehr klingeln?
Meistens liegt es an der Zuordnung der Mobilteile zur Basisstation. Lösung: Mobilteile abmelden, neu anmelden. Die Bedienungsanleitung dazu ist online verfügbar.
Was ist der Unterschied zwischen VoIP und Cloud-Telefonanlage?
VoIP ist die Technik (Telefonie über Internet). Eine Cloud-Telefonanlage nutzt VoIP, stellt aber zusätzlich die komplette Anlage (Nebenstellen, Warteschleifen, Anrufweiterleitung) im Rechenzentrum bereit - ohne eigene Hardware vor Ort.
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